Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr ist der Reservistenverband gestern Abend in den zweiten hybriden Ausbildungszyklus gestartet. Das heißt: Nach der Teilnahme an den theoretischen Online-Ausbildungsmodulen geht es gegen Ende des Jahres auf den Truppenübungsplatz, um das Erlernte ganz praktisch anzuwenden und die Ausbildung zu vertiefen. Stand 2024 die Panzerabwehr aller Truppen auf dem Ausbildungsplan (wir berichteten), ist es in diesem Jahr der Waldkampf.
„Uns war es wichtig, Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg mitzunehmen. Was können wir daraus lernen? Vor diesem Hintergrund kamen wir auf den Waldkampf. Vor allem der breite Einsatz von Drohnen hat das Vorgehen hier maßgeblich verändert. Das hat uns getriggert, das wollten wir machen“, sagten Oberstleutnant d.R. Randolf Richter und Hauptmann d.R. Markus Flaam zu Beginn der digitalen Veranstaltung. Als Antreiber der hybriden Ausbildung werden sie auch diesen Durchgang wieder eng begleiten. Dabei ist ihnen aber auch klar: „Waldkampf ist ein sehr komplexes Thema, wir greifen daher einzelne Elemente raus: Einzelschütze, Trupp, Gruppe. Es geht nicht darum, Perfektion zu schaffen, sondern einen Einblick zu vermitteln, aus dem wir uns die Dinge dann ableiten können, vor allem beim Thema Drohnen.“ Für die infanteristische Ausbildung haben sich die beiden aus einem guten Grund entschieden: „Reserve findet nicht nur im rückwärtigen Raum statt, die Reserve muss auch kämpfen lernen.“
Los ging es gestern Abend mit dem Nachtkampf. Oberstabsgefreiter Michael Waldbrenner, beordert beim Fallschirmjägerregiment 26, vermittelte den mehr als 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Grundverständnis für das Sehen und Gesehenwerden und zeigte ihnen auf, wie schwierig es ist, sich gegen den Einsatz neuester Technik noch adäquat zu tarnen. Denn der Satz „We own the night“ (dt.: „Uns gehört die Nacht“) hat mittlerweile auch in asymmetrischen Konflikten seine Gültigkeit verloren. Nachtsichtgeräte sind breit verfügbar und selbst wenn die optische Tarnung noch so gut ist, können Drohnen mit Wärmebildkameras Stellungen aufklären. Waldbrenner gab den Teilnehmern einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik, wie sie ihre Wärmesignatur bestmöglich verwischen und welche Fehler es bei Nacht zu vermeiden gilt, etwa mangelhaftes Training, halb leere Akkus oder törichte Annahme, vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein.
So geht es weiter
Nach diesem ersten Modul geht es voraussichtlich am 19. Februar um Drohnen und die Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg, Ende Februar um die infanteristische Gruppe und Mitte März um den Marsch aus dem Verfügungsraum. Das fünfte Modul zur Führerweiterbildung und Befehlsgebung ist eingebettet in die Übung „Cold Fortress“ und findet als Verbandsveranstaltung am Wochenende vom 28. bis zum 30. März in Tuntenhausen (Oberbayern) statt. Der zuständige Organisationsleiter Leonhard Edelhäuser bietet ebenfalls eine Online-Ausbildung zu militärischen Symbolen an – eine ideale Ergänzung zur hybriden Waldkampf-Ausbildung und eine klasse Vorbereitung für verschiedene taktische Weiterbildungen – hier gibt es weitere Infos dazu. Danach gibt es jeden Monat (mit Ausnahme August) ein neues Ausbildungsmodul. Der abschließende Aufenthalt ist für Ende November in Lehnin geplant.
Die Ausbilder wiesen jedoch direkt darauf hin, dass sich der Plan zeitlich noch ein bisschen verschieben könnte. Hintergrund sind veränderten Zuständigkeiten innerhalb der Bundeswehr ab dem 1. April, wenn der Heimatschutz dem Heer unterstellt wird und die unbeorderte Reservistenarbeit unter das Dach des Streitkräfteamts zieht. Die jeweils aktuellen Termine finden Sie hier in der Übersicht.