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Vor­bild Schwe­den?

Viele Be­wer­bun­gen für die Hei­mat­gar­de, große Mo­ti­va­ti­on, den Wehr­dienst zu leis­ten, brei­te Un­ter­stüt­zung für das Kon­zept der „to­ta­len Ver­tei­di­gung“: Die Schwe­den ste­hen mehr­heit­lich hin­ter ihrer Zei­ten­wen­de in Sa­chen Ver­tei­di­gung – auch hin­ter der neuen Mit­glied­schaft in der NATO. Woher kommt die­ser star­ke Ver­tei­di­gungs­wil­le?

Schwe­di­sche Sol­da­ten der „Hem­vär­net“ (auf Deutsch „Hei­mat­gar­de“) und US-Ma­ri­nes üben das Ver­hal­ten bei einem Gift­gas­an­griff auf der Insel Got­land.

Foto: Ste­phan Pram­me

loyalSchwe­den

Je­sper Nord­ström stülpt sich die Gas­mas­ke über das Ge­sicht, dann macht er das­sel­be bei sei­nem Ka­me­ra­den, der re­gungs­los am Wald­bo­den liegt. Sein Ka­me­rad hat schon Ner­ven­gas ein­ge­at­met und ist be­wusst­los ge­wor­den. Ge­mein­sam mit einem an­de­ren Sol­da­ten schul­tert Nord­ström den Be­wusst­lo­sen und schleppt ihn den Wald­weg ent­lang. An­de­re Sol­da­ten si­chern den Weg, der Feind könn­te je­der­zeit aus dem Ge­büsch auf sie schie­ßen. Jetzt muss alles schnell gehen. Der Stütz­punkt ist etwa einen Ki­lo­me­ter ent­fernt, dort­hin müs­sen Nord­ström und seine Ka­me­ra­den den Be­wusst­lo­sen brin­gen.

Je­sper Nord­ström ist Sol­dat der Hei­mat­gar­de auf Got­land. An die­sem Tag übt er mit sei­nen Ka­me­ra­den, wie sie sich bei einem An­griff mit Ner­ven­gas ver­hal­ten sol­len. Die Übung, die ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten an­lei­ten, war Teil der „Bal­tic Ope­ra­ti­ons“ (Bal­tOps) Übungs­se­rie. Unter Füh­rung der US-Streit­kräf­te nah­men die­sen Som­mer 25.000 Sol­da­ten aus 25 Län­dern teil. Ein Teil der all­jähr­li­chen Übungs­se­rie fand auf Got­land statt. Und Je­sper Nord­ström und seine Ka­me­ra­den waren dabei. Im Haupt­be­ruf ist der 32-Jäh­ri­ge Last­wa­gen­fah­rer. Ne­ben­bei en­ga­giert er sich aber schon seit zwölf Jah­ren in der „Hem­vär­net“, der Hei­mat­gar­de auf Got­land. „Ich mag mei­nen Job als Last­wa­gen­fah­rer“, sagt Nord­ström. „Aber ich moch­te den Wehr­dienst und das Mi­li­tär auch.“ Des­halb habe er sich nach sei­nem Wehr­dienst für die Hei­mat­gar­de ge­mel­det. „Die Welt ist un­si­che­rer ge­wor­den, und ich möch­te mei­nen Teil zur Ver­tei­di­gung mei­ner Hei­mat bei­tra­gen“, fügt er hinzu.

Je­sper Nord­ström übt re­gel­mä­ßig bei der Hei­mat­gar­de auf Got­land. Im zi­vi­len Leben ist er Last­wa­gen­fah­rer. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Damit ist Nord­ström nicht al­lei­ne. Seit Fe­bru­ar 2022, seit dem Ein­marsch der rus­si­schen Trup­pen in die Ukrai­ne, ist auf Got­land vie­les an­ders. Auf der idyl­li­schen Ur­laubs­in­sel mel­den sich plötz­lich viele für die Hei­mat­gar­de. „Drei­mal mehr, als wir an Stel­len haben“, sagt Oberst Dan Ras­mus­sen, der Kom­man­deur des Got­land- Re­gi­ments, dem die Hei­mat­gar­de auf der Insel un­ter­stellt ist. Und es gibt seit 2022 nicht nur viel mehr Be­wer­bun­gen, auch die Ver­tei­di­gungs­be­reit­schaft wuchs: Sechs Wo­chen am Stück übte Je­sper Nord­ström mit der Hei­mat­gar­de im Jahr 2022, nor­ma­ler­wei­se tut er das nur acht Tage im Jahr. Sol­da­ten der Hei­mat­gar­de pa­trouil­lier­ten da­mals an den Küs­ten Got­lands, be­wach­ten die Häfen. Denn die Men­schen hier fühl­ten sich ver­wund­bar. Got­land liegt mit­ten in der Ost­see, nur 200 Ki­lo­me­ter von der rus­si­schen En­kla­ve Ka­li­nin­grad ent­fernt. Wer Got­land kon­trol­liert, kon­trol­liert die Ost­see, heißt es hier. Got­land, ein stra­te­gi­sches Klein­od. Auf das haben die Rus­sen ein Auge ge­wor­fen, da sind sie sich hier auf der Insel si­cher.

Aus „Frie­dens­schlum­mer“ ge­weckt

Und doch war Got­land, die wind­um­tos­te Fe­ri­en­in­sel, über lange Jahre hin­weg schutz­los. Denn im Jahr 2005 waren die letz­ten Sol­da­ten von der Insel ab­ge­zo­gen, nach­dem die Insel im Kal­ten Krieg noch der am stärks­ten mi­li­ta­ri­sier­te Teil Schwe­dens ge­we­sen war. Vier Re­gi­men­ter gab es da­mals hier und vor allem viel Küs­ten­ar­til­le­rie. Nach dem Ende des Kal­ten Kriegs bau­ten die Schwe­den hier alle Ver­tei­di­gungs­an­la­gen ab. Doch schon die An­ne­xi­on der Krim und die Er­obe­rung der Ost­ukrai­ne im Jahr 2014 weck­ten die Schwe­den aus ihrem „Frie­dens­schlum­mer“. Die Re­gie­rung ent­schied, wie­der Mi­li­tär auf Got­land zu sta­tio­nie­ren. Jetzt ist ein Re­gi­ment im Auf­bau, und Oberst Dan Ras­mus­sen ist des­sen Kom­man­deur. Be­reits 1.000 Män­ner und Frau­en hat er unter sei­nem Kom­man­do (in­klu­si­ve der Sol­da­ten der Hei­mat­gar­de). Bis zum Jahr 2027 soll das Mi­li­tär zu einer Task Force mit 4.000 Sol­da­ten auf­wach­sen. Be­reits 20 Leo­pard-2-Pan­zer und 20 CV90-Schüt­zen­pan­zer sind auf der Insel. Al­lein das Per­so­nal fehlt noch – und die In­fra­struk­tur. Auf einem ehe­ma­li­gen Trup­pen­übungs­platz nahe der In­sel­haupt­stadt Visby stampft das schwe­di­sche Mi­li­tär ge­ra­de einen neuen Stand­ort aus dem Boden. Mit neuen Un­ter­kunfts­ge­bäu­den, einer Mensa, einer Schieß­bahn und In­stand­hal­tungs­hal­len für die Pan­zer.

Wie in Deutsch­land hat auch die schwe­di­sche Re­gie­rung über Jahr­zehn­te ge­dacht, dass Krieg in Eu­ro­pa keine Op­ti­on mehr sei – und mas­siv an den ei­ge­nen Streit­kräf­ten ge­spart. Doch das Um­len­ken kam schnell: Die schwe­di­sche Re­gie­rung hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ihr Ver­tei­di­gungs­bud­get ver­dop­pelt. Sie er­reicht die­ses Jahr die von der NATO ge­for­der­ten zwei Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts. Das Mi­li­tär ist zah­len­mä­ßig klein – nur 18.000 Sol­da­ten die­nen haupt­be­ruf­lich bei den Streit­kräf­ten. Das ist in der Re­la­ti­on zur Be­völ­ke­rung (in Schwe­den leben 10,5 Mil­lio­nen Ein­woh­ner) etwas klei­ner als die Bun­des­wehr (175.000 Sol­da­ten auf 83 Mil­lio­nen Ein­woh­ner). Doch dafür ist das schwe­di­sche Mi­li­tär ex­trem gut mit mo­der­nem Gerät aus­ge­stat­tet: Die Schwe­den haben 110 Leo­pard-2-Kampf­pan­zer (Bun­des­wehr: 313), vier mo­der­ne U-Boote (Bun­des­wehr: 6), fünf Kor­vet­ten der Visby-Klas­se mit Ste­alth-Fä­hig­kei­ten (Bun­des­wehr: 6 der K130-Klas­se) und 96 Mul­ti­rol­len­kampf­jets JAS 39C Gri­pen (Bun­des­wehr: 138 Eu­ro­figh­ter und 93 Tor­na­dos). Vie­les an Aus­rüs­tung wird in Schwe­den selbst vom schwe­di­schen Rüs­tungs­kon­zern Saab her­ge­stellt.

Sol­da­ten der Hei­mat­gar­de pa­trouil­lier­ten im Jahr 2022 über Wo­chen hin­weg die Küs­ten von Got­land, wie hier ent­lang der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­mau­er der In­sel­haupt­stadt Visby. Hin­ter­grund war der rus­si­sche Über­fall auf die Ukrai­ne im Fe­bru­ar 2022. (Foto: pic­tu­re al­li­an­ce / dpa / Soren An­ders­son)

Und na­tür­lich hat das schwe­di­sche Mi­li­tär nicht nur die 18.000 haupt­be­ruf­li­chen Sol­da­ten. Jedes Jahr wer­den im Mo­ment 8.000 Wehr­dienst­leis­ten­de ein­ge­zo­gen, die nach ihrem Wehr­dienst für min­des­tens acht Jahre grund­be­or­dert blei­ben, re­gel­mä­ßig üben müs­sen und im Ver­tei­di­gungs­fall an die Waf­fen ge­ru­fen wer­den. Das macht ein Re­ser­voir an (ehe­ma­li­gen) Wehr­pflich­ti­gen von 64.000 Sol­da­ten, die zu den 18.000 Ak­ti­ven da­zu­kom­men. Dazu kom­men noch die 29.000 Sol­da­ten der Hei­mat­gar­de. Und doch läuft es auch bei den Schwe­den bei der mi­li­tä­ri­schen Zei­ten­wen­de nicht ohne Ru­ckeln ab. Schwe­di­sche Zei­tun­gen mel­de­ten kürz­lich, dass die neuen Re­kru­ten nicht aus­rei­chend per­sön­li­che Aus­rüs­tung be­kom­men hät­ten. Manch­mal gibt es auch nur ver­al­te­te Pro­duk­te aus den 1990er-Jah­ren. Viele kau­fen sich des­halb ei­ge­ne Klei­dung und per­sön­li­che Aus­rüs­tung.

Übung mit US-Sol­da­ten

So hat es auch Hugo Vi­k­lund ge­macht. Seine Stie­fel und sein Com­bat-Shirt hat er sich selbst be­schafft. Der 24-Jäh­ri­ge ist Sol­dat beim 1. Am­phi­bi­schen Re­gi­ment in Stock­holm, doch heute sind er und seine Ka­me­ra­den nicht in der Haupt­stadt aktiv, son­dern auf ihrer „Spiel­wie­se“, dem Stock­hol­mer Schä­ren­gar­ten. Das sind Hun­der­te klei­ne­re In­seln, die wie ein Wall das schwe­di­sche Fest­land um­ge­ben. Der heu­ti­ge Tag ist ein be­son­de­rer für Vi­k­lund und seine Ka­me­ra­den. Ge­mein­sam mit US-Sol­da­ten üben sie heute auf der klei­nen Insel Utö ein Ge­fechts­schie­ßen mit ame­ri­ka­ni­schen HI­MARS-Ra­ke­ten­wer­fern. Auch die­ses Ge­fechts­schie­ßen ist Teil der dies­jäh­ri­gen Bal­tOps-Übungs­se­rie. Die Schwe­den über­neh­men die Ziel­zu­wei­sung, die US-ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten lösen die HI­MARS-Ra­ke­ten­wer­fer aus. Es geht um in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit und rei­bungs­lo­se Kom­mu­ni­ka­ti­on.

In­ter­na­tio­na­les Ge­fechts­schie­ßen: Auf der Insel Utö üben schwe­di­sche Sol­da­ten ge­mein­sam mit US-Sol­da­ten die Ver­tei­di­gung der Küste vor Stock­holm. Im Vor­der­grund: die Anti-Schiffs­ra­ke­te „Robot 17“ des 1. Am­phi­bi­schen Re­gi­ments. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Der Wind biegt das Gras auf der Lich­tung, auf der das Ge­fechts­schie­ßen statt­fin­det, die Luft riecht nach dem nahen Meer. Utö ist zu einem Teil Trup­pen­übungs­platz, zum an­de­ren Teil Ur­laubs­in­sel. Auch wenn er nicht zum Ur­laub hier ist, Vi­k­lund fühlt sich auf Utö wohl. Das merkt man so­fort an sei­nem selbst­be­wuss­ten Lä­cheln und der Art, sich hier zu be­we­gen. Viele Wo­chen habe er schon hier ver­bracht, er­zählt er. Die rot-weiß ge­stri­che­nen Ba­ra­cken im Wald gleich neben dem Schie­ß­platz die­nen Vi­k­lund und sei­nen Ka­me­ra­den vom Am­phi­bi­schen Re­gi­ment als Un­ter­kunft, wäh­rend sie hier die Ver­tei­di­gung der In­seln im Schä­ren­gar­ten üben. Die Land­schaft, die Häu­ser, die Ruhe – die Sze­ne­rie wirkt eher wie aus einem As­trid-Lind­gren-Film als wie ein Trup­pen­übungs­platz.

Ak­ti­vi­tät in der Natur und dabei sei­nem Land nütz­lich sein, das ist Vi­k­lunds Mo­ti­va­ti­on, des­halb ist er hier. Er war vor sechs Jah­ren beim ers­ten Jahr­gang dabei, der wie­der Wehr­dienst leis­ten muss­te. Doch nach sei­nem Wehr­dienst ver­ließ Vi­k­lund die Streit­kräf­te und be­gann ein In­ge­nieur­stu­di­um. „Aber ich habe schnell ge­merkt, dass das Ler­nen in ge­schlos­se­nen Räu­men nicht meine Welt war“, er­zählt er. Vi­k­lund woll­te raus, in der Natur aktiv sein. Des­halb brach er sein Stu­di­um ab und ging zu­rück zum Mi­li­tär. Er wohne zwar in Stock­holm, sei aber wegen sei­nes Be­rufs viel auf dem Was­ser und zwi­schen den In­seln im Schä­ren­gar­ten un­ter­wegs, sagt er und seine Augen leuch­ten dabei. In Zu­kunft möch­te er sich zum Of­fi­zier wei­ter­bil­den las­sen. Das dau­ert in Schwe­den drei Jahre. Doch soll­te er es sich an­ders über­le­gen, ist das auch kein Pro­blem. In Schwe­den kön­nen Sol­da­ten immer gehen, die „Kün­di­gungs­frist“ dau­ert nur drei Mo­na­te.

Hugo Vi­k­lund (Mitte) und seine Ka­me­ra­den sind Sol­da­ten beim 1. Am­phi­bi­schen Re­gi­ment in Stock­holm. Auf der Insel Utö si­chern sie das Ge­fechts­schie­ßen ab, das die schwe­di­schen Streit­kräf­te mit den US-ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten durch­füh­ren. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Hugo Vi­k­lund ist eine Aus­nah­me. Die meis­ten Wehr­dienst­leis­ten­den ver­las­sen das Mi­li­tär nach ihrer Wehr­dienst­zeit. So auch Lin­nea , Clara und Ellen. Nur eine ihrer Freun­din­nen, Si­mo­ne, ist nach dem Grund­wehr­dienst bei der Armee ge­blie­ben. Die vier Freun­din­nen haben sich in der ge­mein­sa­men Wehr­dienst­zeit ken­nen­ge­lernt und an­ge­freun­det. An die­sem Tag tref­fen sie sich zum ers­ten Mal seit der ge­mein­sa­men Zeit wie­der. loyal trifft die vier jun­gen Frau­en zu­fäl­lig an der süd­schwe­di­schen Küste, wo sie ge­ra­de ein Pick­nick bei Sushi und Bier ma­chen. Lin­nea stu­diert in­zwi­schen auf Lehr­amt, Clara Jura und Ellen Me­di­zin.

„High Po­ten­ti­als“

Ob­wohl drei der vier jun­gen Frau­en nicht mehr bei den Streit­kräf­ten sind, bli­cken alle mit po­si­ti­ven Ge­füh­len auf ihre Zeit als Wehr­dienst­leis­ten­de zu­rück. Die ei­ge­nen Gren­zen aus­tes­ten, sich als Per­sön­lich­keit bes­ser ken­nen­ler­nen, mit Men­schen aus ganz Schwe­den in Kon­takt kom­men, die sie sonst nie ge­trof­fen hät­ten: Fast be­geis­tert zäh­len die vier auf, warum ihnen der Wehr­dienst so gut ge­fal­len hat. Auch Lin­nea ist voll des Lobes – ob­wohl sie zu­nächst gar nicht die­nen woll­te. Auf dem Fra­ge­bo­gen, den alle 18-jäh­ri­gen Schwe­den aus­fül­len müs­sen, kreuz­te sie „Kein gro­ßes In­ter­es­se am Wehr­dienst“ an. Doch sie wurde trotz­dem für die Mus­te­rung aus­ge­wählt. Dort per­form­te sie so gut, dass sie ein­ge­zo­gen wurde. Ge­wehrt habe sie sich da­ge­gen nicht, sagt sie. So gro­ßes Un­be­ha­gen habe ihr der Wehr­dienst dann doch nicht be­rei­tet – und ja, ein biss­chen ge­ehrt habe sie sich auch ge­fühlt, dass die Streit­kräf­te sie un­be­dingt haben woll­ten.

Un­ge­wöhn­li­che Frau­en­run­de: Lin­nea, Clara, Ellen und Si­mo­ne haben sich wäh­rend ihrer Wehr­dienst­zeit ken­nen­ge­lernt und an­ge­freun­det – nun tref­fen sie sich zum Pick­nick an der schwe­di­schen Küste. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Die vier be­stä­ti­gen den Trend, dass viele fitte und am­bi­tio­nier­te junge Men­schen zwar gerne den Wehr­dienst leis­ten. Vor allem um sich aus­zu­tes­ten und eine span­nen­de Zeit zu er­le­ben. Diese „High Po­ten­ti­als“ sähen die Zeit beim Mi­li­tär aber nur als eine kurze Se­quenz auf ihrem Kar­rie­re­weg und hät­ten an­de­re Pläne für ihre Zu­kunft, als sich län­ger beim Mi­li­tär zu ver­pflich­ten, sagt der schwe­di­sche Mi­li­tär­at­ta­ché in Ber­lin, Jonas Hárd af Se­ger­stad.

Mus­te­rungs­be­hör­de hat nie auf­ge­hört zu ar­bei­ten

Doch wie be­kom­men die Schwe­den die best­ge­eig­ne­ten jun­gen Frau­en und Män­ner für den Wehr­dienst? Durch einen auf­wen­di­gen Aus­wahl­pro­zess. Den schau­te sich loyal in Stock­holm an. Dort be­treibt das so­ge­nann­te „Plikt-och prö­ve­nings­ver­ket“, eine zi­vi­le Mus­te­rungs­be­hör­de, eines der drei schwe­di­schen Mus­te­rungs­bü­ros (siehe auch Seite 24). Diese Büros wäh­len nicht nur an­ge­hen­de Sol­da­ten aus – auch wer Po­li­zist oder Zoll­be­am­ter wer­den will, muss sich hier prü­fen las­sen. Das hat einen ent­schei­den­den Vor­teil: Die Mus­te­rungs­be­hör­de hat nie auf­ge­hört, Aus­wahl­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, auch nicht wäh­rend der Aus­set­zung der schwe­di­schen Wehr­pflicht von 2010 bis 2017. So sei der Auf­bau der Ka­pa­zi­tä­ten für die Mus­te­rung der nun wie­der zum Mi­li­tär ein­be­ru­fe­nen Wehr­pflich­ti­gen schnell ge­gan­gen, be­rich­tet Per An­der­sen Hel­seth, der für die Mus­te­rungs­be­hör­de ar­bei­tet. Die „Plikt-och prö­ve­nings­ver­ket“ muss­te zwar seit 2017 ihr Per­so­nal auf­sto­cken, von 150 auf nun 350 Kol­le­gen, aber die Ge­bäu­de, die Büros alles sei zur Wie­der­ein­füh­rung der Wehr­pflicht schon da­ge­we­sen. An­ders als in Deutsch­land, wo erst wie­der eine ent­spre­chen­de Struk­tur auf­ge­baut wer­den müss­te. In den drei Büros mus­tern Hel­seth und seine Kol­le­gen nun jedes Jahr etwa 30.000 junge Schwe­den, das sind etwa ein Drit­tel eines Jahr­gangs.

Doch die Gänge des Mus­te­rungs­bü­ros in Stock­holm haben in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten nicht nur viele Wehr­pflich­ti­ge ge­se­hen. Immer mehr Po­li­ti­ker und Jour­na­lis­ten aus vie­len Län­dern kom­men Hel­seth und seine Kol­le­gen be­su­chen. „Sie alle wol­len sich an­se­hen, wie wir un­se­re Mus­te­run­gen or­ga­ni­sie­ren“, sagt Hel­seth, mit einem zu­rück­hal­ten­den und doch ein biss­chen stol­zen Lä­cheln. Viele Län­der den­ken der­zeit wegen Per­so­nal­lü­cken in ihren Streit­kräf­ten über eine Wie­der­ein­füh­rung der Wehr­pflicht nach. Auch der deut­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Boris Pis­to­ri­us war kürz­lich da und hat sich von Hel­seth die Mus­te­rungs­pro­ze­dur er­klä­ren las­sen.

Hier kann man auch über­nach­ten: Mus­te­rungs­be­hör­den-Mit­ar­bei­ter Per An­der­sen Hel­seth im Mus­te­rungs­bü­ro in Stock­holm. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Die At­mo­sphä­re im Mus­te­rungs­bü­ro wirkt freund­lich. Große Fens­ter­fron­ten geben den Blick auf den Fähr­ha­fen von Stock­holm frei. Die Wände sind in Pas­tell­far­ben ge­stri­chen, immer wie­der sind Fi­gu­ren in Street-Art-Optik an den Wän­den an­ge­bracht, da­ne­ben Sätze wie: „Hier fin­den wir deine Stär­ken!“ oder „Bist du der nächs­te Ober­kom­man­die­ren­de?“. Es gibt sogar Schlaf­räu­me für die­je­ni­gen, die aus dem hohen Nor­den Schwe­dens an­rei­sen. Auch diese Räume wir­ken hell und mo­dern. An­der­sen und seine Kol­le­gen geben sich sicht­lich Mühe, damit sich die jun­gen Frau­en und Män­ner, die oft zum ers­ten Mal der­art weit von ihrem El­tern­haus ent­fernt sind, hier wohl­füh­len.

Kör­per­li­che und geis­ti­ge Fit­ness

Doch in die­ser Wohl­fühl­at­mo­sphä­re fin­det ein knall­har­ter Aus­wahl­pro­zess statt. Am An­fang des Ver­fah­rens müs­sen die jun­gen Män­ner und Frau­en einen ko­gni­ti­ven Leis­tungs­test am Com­pu­ter be­stehen. 80 Mi­nu­ten Zeit haben sie, um zum Bei­spiel Zah­len­rei­hen zu ver­voll­stän­di­gen, Be­grif­fe zu er­klä­ren oder Text­tei­le in einen sinn­vol­len Zu­sam­men­hang zu brin­gen. Auf der Basis der Er­geb­nis­se wer­den die Kan­di­da­ten vor­sor­tiert. Wer bes­ser als fünf per­formt hat (die Noten gehen von eins bis zehn) gilt als für eine Füh­rungs­po­si­ti­on ge­eig­net. Denn es ist so: Die Wehr­dienst­zeit kann zwi­schen neun und 15 Mo­na­ten dau­ern, je nach Po­si­ti­on und Ver­ant­wor­tungs­le­vel. Und die­je­ni­gen, die für die 15 Mo­na­te aus­ge­wählt wer­den, wer­den nach we­ni­gen Mo­na­ten be­reits Zug­füh­rer für die New­co­mer. Sie be­kom­men also sehr schnell sehr viel Ver­ant­wor­tung über­tra­gen. Aber eben nur, wer beim ko­gni­ti­ven Leis­tungs­test sehr gut per­formt hat.

Bei wei­te­ren Tests über­prü­fen Hel­seths Kol­le­gen dann die Fit­ness. Die Prüf­lin­ge müs­sen zum Bei­spiel auf Fahr­ra­der­go­me­tern fah­ren. Dabei wird der Wi­der­stand immer grö­ßer, bis die Teil­neh­mer am Limit sind. Ge­nau­so beim Ge­wicht­he­ben, wo mit­hil­fe einer Ma­schi­ne ge­tes­tet wird, wie viel Kraft die Kan­di­da­tin oder der Kan­di­dat in Armen und Bei­nen hat. Da­nach kommt die Ge­sund­heits­über­prü­fung unter an­de­rem mit Hör- und Seh­test. Am Schluss müs­sen die Prüf­lin­ge noch mit einem Psy­cho­lo­gen spre­chen und über ihre psy­chi­sche Ge­sund­heit und Sta­bi­li­tät Aus­kunft geben.

Das Kö­nigs­haus als Vor­bild: Kron­prin­zes­sin Vic­to­ria, Thron­fol­ge­rin in Schwe­den (vorne links), macht ge­ra­de eine Of­fi­ziers­aus­bil­dung. Schon im Jahr 2003 hat sie ihre Grund­aus­bil­dung ab­sol­viert und da­nach immer wie­der Re­serve­übun­gen ge­leis­tet. (Foto: Sara Fri­berg / Kungl Hovsta­ter­na)

Die An­ge­stell­ten des Mus­te­rungs­bü­ros neh­men sich Zeit für die jun­gen Men­schen, alles wird genau no­tiert. Denn es gibt 250 ver­schie­de­ne Po­si­tio­nen, die zu be­set­zen sind. „Wir wol­len für jeden die pas­sen­de Stel­le in den Streit­kräf­ten fin­den“, sagt Hel­seth. Auch das trägt si­cher­lich zur Ak­zep­tanz des Wehr­diens­tes in Schwe­den bei: Die Wehr­pflich­ti­gen er­ler­nen neben den mi­li­tä­ri­schen Grund­kennt­nis­sen wäh­rend ihres Wehr­diens­tes in­di­vi­du­el­le Fer­tig­kei­ten – ihrer Per­sön­lich­keit ent­spre­chend.

Am Ende wer­den von den etwa 110.000 eines Jahr­gangs 8.000 junge Frau­en und Män­ner für den Wehr­dienst aus­ge­wählt – also etwa sie­ben Pro­zent. Mehr brau­chen die schwe­di­schen Streit­kräf­te nicht, um ihre Struk­tu­ren so zu fül­len, dass sie kriegs­tüch­tig sind. Aber das Mi­li­tär ist nur das eine. In Schwe­den gibt es das Kon­zept der „To­ta­len Ver­tei­di­gung“. Das be­deu­tet, dass sich in Kriegs­zei­ten alle an der Ver­tei­di­gung ihres Lan­des be­tei­li­gen. Und schon zu Frie­dens­zei­ten wis­sen die Schwe­den, wo sie ein­ge­plant sind, und bil­den sich für diese Auf­ga­be fort.

Zi­vil­pflicht und all­ge­mei­ne Dienst­pflicht

Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, gibt es in Schwe­den neben der Wehr­pflicht auch eine Zi­vil­pflicht und eine all­ge­mei­ne Dienst­pflicht. Doch wäh­rend die Wehr­pflicht seit 2018 wie­der ak­ti­viert ist, ver­weilt die Rea­li­sie­rung der Zi­vil­pflicht und der all­ge­mei­nen Dienst­pflicht noch im An­fangs­sta­di­um. Im­mer­hin: An­fang des Jah­res wur­den ver­pflich­ten­de Trai­nings­ein­hei­ten für die Eh­ren­amt­li­chen bei der Feu­er­wehr ein­ge­führt – damit diese im Not- oder Ver­tei­di­gungs­fall genau wis­sen, was zu tun ist. Das­sel­be soll dem­nächst bei an­de­ren Blau­licht­or­ga­ni­sa­tio­nen gel­ten.

Aber was ist die all­ge­mei­ne Dienst­pflicht? Alle, die in Schwe­den woh­nen und zwi­schen 16 und 70 Jahre alt sind, sind im Not­fall ver­pflich­tet, ihren Dienst an der Stel­le zu tun, wo ge­ra­de Be­darf be­steht. Etwa in der Le­bens­mit­tel- oder Trink­was­ser­ver­sor­gung. Doch dar­aus folgt für die meis­ten Schwe­den in ihrem täg­li­chen Leben erst ein­mal gar nichts.

Der ehe­ma­li­ge Oberst Bo Stenn­abb ist Ge­ne­ral­se­kre­tär der frei­wil­li­gen Ver­tei­di­gungs­or­ga­ni­sa­ti­on „Förs­var­sut­bil­dar­na“. (Foto: Ste­phan Pram­me)

„Nur etwa 30 Pro­zent der schwe­di­schen Ge­sell­schaft wis­sen genau, was sie in einem Not­fall oder dem­Ver­tei­di­gungs­fall zu tun haben“, sagt Bo Stenn­abb, Ge­ne­ral­se­kre­tär der frei­wil­li­gen Ver­tei­di­gungs­or­ga­ni­sa­ti­on „Förs­var­sut­bil­dar­na“. Die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ ist eine von etwa zwan­zig frei­wil­li­gen Ver­tei­di­gungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die im Be­reich der „To­ta­len Ver­tei­di­gung“ aktiv sind – und sie ist mit 30.000 Mit­glie­dern die grö­ß­te. „Unser Ziel ist es, die To­tal­ver­tei­di­gung un­se­res Lan­des zu stär­ken“, sagt Stenn­abb. Erst vor ein paar Mo­na­ten hat der ehe­ma­li­ge Oberst die schwe­di­schen Streit­kräf­te ver­las­sen, um Ge­ne­ral­se­kre­tär der „Förs­var­sut­bil­dar­na“ zu wer­den und ist nun der Chef von 17 haupt­amt­li­chen An­ge­stell­ten.

Frei­wil­li­ges En­ga­ge­ment

Frei­wil­li­ge Ver­tei­di­gungs­or­ga­ni­sa­ti­on – was sich in deut­schen Ohren ir­ri­tie­rend an­hört, ist in Schwe­den seit mehr als hun­dert Jah­ren nor­mal. Wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges hatte sich die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ ge­grün­det, als Teil des Volks­sturms, also der Be­we­gung von Frei­wil­li­gen, die Schwe­den ver­tei­di­gen woll­ten – in jedem Dorf, in jedem Wei­ler. An­ders als in Deutsch­land haben die Frei­wil­li­gen­or­ga­ni­sa­tio­nen al­ler­dings nie eine ra­di­ka­le, zer­set­zen­de Kraft in der schwe­di­schen Po­li­tik ge­spielt. Des­halb gibt es sie auch heute noch – und sie sind so aktiv wie schon lange nicht mehr.

Über 3.500 Ver­an­stal­tun­gen haben die Eh­ren­amt­li­chen in sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on im ver­gan­ge­nen Jahr or­ga­ni­siert, sagt Stenn­abb. Dar­un­ter etwa die Grund­aus­bil­dung für Un­ge­dien­te, ein Hun­de­trai­ning für Hei­mat­gar­de-Sol­da­ten oder öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen zum Thema „Wie über­le­be ich in einem Not- oder Kriegs­fall?“. Fi­nan­ziert wird die Or­ga­ni­sa­ti­on von Spen­den – viele ver­er­ben ihr ihr Ver­mö­gen, so Stenn­abb. Die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ funk­tio­niert nach einem in­ter­es­san­ten Sys­tem: Ein staat­li­cher Ak­teur (das kann die Hei­mat­gar­de des schwe­di­schen Mi­li­tärs, der Zoll oder eine Zi­vil­schutz­be­hör­de sein) be­auf­tragt die „Förs­var­sut­bil­dar­na“, eine be­stimm­te Aus­bil­dung an­zu­bie­ten, und diese macht das dann – gegen Be­zah­lung durch den staat­li­chen Ak­teur. Dafür hat die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ Hun­der­te Trai­ner, al­le­samt Eh­ren­amt­li­che, die diese Trai­nings durch­füh­ren. Dafür be­kom­men die Eh­ren­amt­li­chen eine Auf­wands­ent­schä­di­gung.

Lo­vi­sa und Per Adolfs­son füh­ren für die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ Aus­bil­dungs­ein­hei­ten durch. Etwa ein Hun­de­trai­ning für Sol­da­ten der „Hei­mat­gar­de“. (Foto: Ste­phan Pram­me)

So zum Bei­spiel Lo­vi­sa und Per Adolfs­son. Lo­vi­sa ar­bei­tet in ihrem zi­vi­len Leben in einer Haus­ver­wal­tung. Ihre Frei­zeit ver­bringt sie am liebs­ten mit ihrem Hund Alma. Als Hun­de­füh­re­rin bei der Hei­mat­gar­de. Und als Trai­ne­rin für die „Förs­var­sut­bil­dar­na“, wo sie an­de­re Sol­da­ten der Hei­mat­gar­de den Um­gang mit Hun­den lehrt. Dort ler­nen diese zum Bei­spiel, wie ihre Hunde als Spür­hund oder Wach­hund beim Mi­li­tär ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Auch lei­tet Adolfs­son für die „Förs­var­sut­bil­dar­na“ die so­ge­nann­te „GUF“, die vier­zehn­tä­ti­ge Grund­aus­bil­dung für Un­ge­dien­te.

Bi­wak­wo­chen­en­den für junge Men­schen

Auch Ju­gend­li­che sind schon in der „Förs­var­sut­bil­dar­na“ aktiv. In Bi­wak­wo­chen­en­den wer­den junge Men­schen ab 15 Jah­ren an mi­li­tä­ri­sche The­men her­an­ge­führt. Sie mar­schie­ren, ma­chen Feuer in der Natur – und dür­fen auch be­reits mit 22-Ka­li­ber-Mu­ni­ti­on schie­ßen und Uni­form tra­gen. In Deutsch­land wäre so etwas un­denk­bar. Die Bi­wak­wo­chen­en­den haben gro­ßen Zu­lauf – auf der Face­book-Seite der Förs­var­sut­bil­dar­na la­chen viele junge Men­schen den User an. Die Sze­ne­rie der Fotos wirkt wie ein Aus­flug bei den Pfad­fin­dern, nur in Uni­form eben.

Er­leich­te­rung am Ende der ABC-Übung: Der Sol­dat, der den Ver­gif­te­ten ge­mimt hat, wird von der Gas­mas­ke be­freit. US-Sol­da­ten lei­ten die ABC-Übung, die Teil der jähr­li­chen Übungs­se­rie „Bal­tic Ope­ra­ti­ons“ (Bal­tOps) ist, an. Die­ses Jahr nahm Schwe­den zum ers­ten Mal als NATO-Part­ner an der Übungs­se­rie teil. (Foto: Ste­phan Pram­me)

Je­sper Nord­ström und seine Ka­me­ra­den der Hei­mat­gar­de haben in­zwi­schen mit dem „Be­wusst­lo­sen“ auf ihren Schul­tern das ret­ten­de Ziel er­reicht. Der Feld­weg endet di­rekt am Meer. Der an­de­re Teil ihrer Ein­heit war­tet dort be­reits auf sie. Ein US-ame­ri­ka­ni­scher Sol­dat gibt ihnen Feed­back zu ihrer „Ret­tungs­ak­ti­on“. Sie hät­ten das Er­lern­te gut in die Pra­xis um­ge­setzt, sagt er. Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den US-Sol­da­ten und den schwe­di­schen Hei­mat­gar­dis­ten habe rei­bungs­los ge­klappt. Klar, die Rus­sen wer­den hier auf Got­land höchst­wahr­schein­lich nicht mit Ner­ven­gas an­grei­fen. Viel wahr­schein­li­cher seien hy­bri­de An­grif­fe, auf Web­sei­ten, auf die Strom­ver­sor­gung, sagt Dan Ras­mus­sen. Und diese er­le­ben sie auch ge­ra­de schon: Wegen der Stö­rung des GPS-Sys­tems habe vor Kur­zem ein Hob­by­pi­lot auf Got­land not­lan­den müs­sen, er­zählt Ras­mus­sen. Auch stell­ten schwe­di­sche Mi­li­tärs ver­stärk­te Un­ter­was­ser­ak­ti­vi­tä­ten der rus­si­schen Ma­ri­ne fest.

Wäh­rend die Sol­da­ten die ABC-Übung be­spre­chen, spa­zie­ren Tou­ris­ten an den Kalk­stein­fel­sen der Küste vor­bei. Sie schau­en zu den Sol­da­ten hin­über, dann schlen­dern sie wei­ter, ge­nie­ßen den küh­len Meer­wind, die pit­to­res­ke Ku­lis­se. Stört sie die Mi­li­tär­prä­senz nicht? loyal fragt bei einem Fa­mi­li­en­va­ter nach, der mit sei­ner Frau und Baby im Kin­der­wa­gen ge­ra­de die Küste ent­lang­spa­ziert: „Nein“, sagt der Schwe­de, ein Stock­hol­mer, der ge­ra­de mit Fa­mi­lie Ur­laub auf Got­land macht. „Die Zei­ten sind un­si­cher. Es ist gut zu wis­sen, dass wir ge­wapp­net sind.“ Da ist er wie­der, der un­auf­ge­reg­te schwe­di­sche Prag­ma­tis­mus.

Ein Foto zur Er­in­ne­rung: Nach der ABC-Übung po­sie­ren schwe­di­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten für ein Foto vor der Küste Got­lands. Die Sol­da­ten bei­der Na­tio­nen ken­nen sich schon. Schon seit vie­len Jah­ren kom­men die US-Sol­da­ten re­gel­mä­ßig nach Got­land, um Aus­bil­dungs­ein­hei­ten mit den schwe­di­schen Sol­da­ten durch­zu­füh­ren. (Foto: Ste­phan Pram­me)
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